Geschrieben am 1. September 2014 um 00:08

10612697_710432582370531_4042995020279460126_nDieses wunderschöne Dorf, dem Erdboden gleich gemacht von der russischen Armee, dieses Nowoswitliwka gibt es seit heute Nacht nicht mehr. – Nun versuche ich zur Zeit immer wieder, mich von diesem Geschehen zu distanzieren, aus meinen diesbezüglichen Aktivitäten heraus zu kommen. Doch es gelingt mir nicht. Zu sehr machen mich die fast täglich neuen Nachrichten betroffen. Sie hindern mich daran, meinen Lebenstrott normal weiter zu führen. Ich kann mich dem einfach nicht entziehen.

 

Ja, ich weiß, daß man am Wochenende, bei uns hier, meine vielen Posts über die Ukraine auch als belastend empfinden mag. Es sind ja nie gute Nachrichten. Und immer furchtbare. Sie haben mit dem Grauen zu tun, von dem man keinesfall auch nur ahnen will, dass es bereits in unserer Nähe weilt. Meine eigene Seele ist von dem Ganzen zu aufgebohrt, als dass ich das negieren könnte.

 

In den nächsten Tagen werden wir in Deutschland weitere Dutzende ukrainische Schwerverletzte in Kliniken empfangen. Täglich mehren sich die Anfragen ukrainischer Ärzte, ob wir hier Kapazität für bestimmte kritische Fälle hätten, derer sie nicht mehr Herr werden. Deprimiert frage ich mich manchmal: was bringt das alles? Sollte ich mich nicht lieber um die Welt hier kümmern, diesen kleinen Vorg

 

arten meines eigenen Lebens? Ich kann das nicht. Die Ukraine und das was dort geschieht, ist über den Zaun dieses behüteten Garten zu mir hereingewachsen.
Gestern Nacht ist die ostukrainische Ortschaft Nowoswitliwka von der russichen Armee, ja von der russischen Armee, ja von russischen Soldaten und Panzern praktisch dem Erdboden gleich gemacht worden (Quelle: ukr. TV, persönl. Kontakte in Ostukr.). Dabei sind unzählige Zivilisten umgebracht worden. Kinder wurden in der Region als Geiseln genommen, um Einwohner auf die russische Seite zu zwingen und die ukrainische Armee unter Duck zu setzen. Während in den vergangenen Wochen täglich zwischen 60 und 70 ukrainische Soldaten gestorben sind, während hier nach wie vor um das sich Einlassen auf die wirkliche endgültige Wahrheit gerungen wird, ob es jetzt wirklich, echt, und betonmässig erwiesenermassen die Russen selbst sind, welche dieses unsägliche Verbrechen an dem unabhängigen Land Ukraine und seinen Menschen begehen, während all dieses Getüftles sind alleine in der vergangenen Nacht 300 ukrainische Soldaten ums Leben gekommen. Soldaten? Es sind zumeist junge Männer, Jungs, die bis vor ein paar Wochen ein Gewehr nur aus Filmen kannten.

 

Nach Informationen, die ich von Kontaktpersonen vorort erhielt, überrollen russische Kommandos (ja, echte russische) derzeit zusammen mit prorussischen Separatisten all jene ukrainischen Dörfer, die kürzlich von der ukrainischen Armee aus der prorussischen Besetzung befreit wurden. Dabei wird auf Zivilisten keine Rücksicht genommen.
Im Gegenteil: Ich habe heute auch von Vergewaltigungsfällen gehört, von Gemetzel an der Zivilbevölkerung. Und das Schicksal der ukrainischen Armee ist eigentlich eher erbarmenswürdig, nur erbarmt sich leider keiner: Momentan sind beispielsweise Teile zweier ukrainischer Battaillone von der russischen Armee eingekesselt. Sie haben mehrfach um Hilfe gebeten. Offenbar ist dies nicht möglich. Sie erwartet dann wohl der Tod.

Kommentare

comments

 

“The Biographer” – feature film

“The Biographer” – feature film
Feature Film, in dessen Zentrum der Widerspruch zwische Image und Wirklichkeit im Leben von Prinzessin Diana steht. Regie Phillip Saville, mit Faye Dunaway, Paul Mc Gann, Hugh Bonneville. Produzent Christian Seidel - (Feature film about the contradiction between image and reality in the life of Princess Diana. Directed by Philip Saville, starring Paul Mc Gann, Hugh Bonneville and Faye Dunaway. Produced by Christian Seidel)