Geschrieben am 18. März 2013 um 14:51

Vollständig leben

 

‚Gaping‘ ist eine Technik, um die scheinbar überflüssigen Zwischenräume unseres Lebensalltages wieder zurück zu holen. Jeden Tag beschäftigen wir uns immer wieder ausgiebig damit, warum wir dieses oder jenes Vorhaben, das wir eigentlich gerne machen würden, lieber doch nicht durchführen. Der Grund dafür sind meistens die Umstände, die zu diesen Vorhaben führen und die uns aus irgendwelchen Gründen unangenehm sind.

 

Diese Zwischenraum-Zeiten sind uns unliebsam, weil wir an den darin durchzuführenden Beschäftigungen keine Freude empfinden und ihnen keinen Wert beimessen. Deswegen versuchen wir sie, zu negieren, zu ignorieren, zu überspringen oder mit anderen Tätigkeiten zu überdecken.

Diese unerwünschten Zeiten nenne ich hier ‚Time-Gaps‘, als ‚Zeit-Zwischenräume‘.

 

Der Grund dafür ist, weil wir dafür Zeiten überbrücken müssten, die uns unlieb oder unangenehm sind. Diese Zeiten sind zeitliche Zwischenräume, die wir entweder vermeiden, indem wir das gesamte Vorhaben absagen, die wir irgendwie überspringen, indem wir durch sie in Eile und mit Scheuklappen rasen und die wir oft falsch kompensieren, indem wir uns währenddessen streiten, stressen, ärgerlich werden, streiten, den Fernseher einschalten oder auf sonstwelche Pocketbildschirme schauen, unnötige Telefonate tätigen, zum Alkohol oder zur Zigarette greifen.

Das zwanghafte Überspringen von unliebsamen Zeit-Zwischenräumen ist in dieser an äzßeren Werten und pausenloser Action orientierten Wettbewerbsgesellschaft zu einer zwanghaften Verhaltensweise geworden, unter der fast jeder Mensch leidet. Indem wir diese unliebsamen Zeiten durch Ersatzverhalten aus unserem Leben ‚herauszupressen‘ versuchen, verschlechtern wir unsere Lebensqualität massiv. Wir erhöhen das Stresspotential und verringern unsere Erlebnisfähigkeit und unser Empathiepotential.

 

Beispiele für solch unangenehme Zeiten sind: Der Zwischenraum zwischen zwei Terminen, die Fahrt oder der Ganz irgendwohin, das Warten auf den Gesprächstermin, der Gang ins Sportstudio, das Bügeln oder Aufräumen in der Küche, das Warten in Warteschlangen oder auf Meetings, der Weg zu einer Verabredung. Aber auch im Kleinen finden solche unliebsamen Zwischenräume laufend statt:

Oft können wir uns nicht davor drücken, uns in solche Zeiten und die darin enthaltenen Beschäftigungen zu begeben. Wenn wir wohin wollen, müssen wir den Weg dorthin zurücklegen. Wenn wir etwas erreichen wollen, so gehört auch der Weg dorthin zur Aufgabe und zur Lebenszeit.

 

Fast jeder Tag eines Menschen in unserer westlichen Gesellschaft enthält mindestens 90 Minuten bis zu drei Stunden solcher Zeit-Gaps enthält. Dies sind pro Jahr 1055 Stunden bzw. 45 Tage und auf ein Leben hochgerechnet in einer Zeit von 40 Jahren als erwachsener Mensch 1825 Tage bzw. 5 Jahre! Das heißt, daß das Leben eines Menschen in seinem Leben als Erwachsener in den 40 Jahren zwischen seinem 20sten und 60sten Lebensjahr fünf Jahre (!) enthält, die er für überflüssig, minderwertig oder unangenehm hält, und die er deswegen zu vermeiden, oder sonstwie zu überbrücken oder nicht wahrzunehmen versucht. Dabei ist es nicht möglich, Lebenszeit zu vermeiden. Sie findet statt, ob man will oder nicht.

 

‚Gaping‘ ist eine Methode, mit der diese viele, kleinen verlorenen Zeitstücke ins Leben zurück integriert werden können. Das eigene Leben wird so wieder vollständig und erfüllter. Die Zufriedenheit nimmt zu. Und oh Wunder: Auch die Effektivität. Denn mehr Zeit bringt mehr Kraft, mehr Energie, mehr Raum für Kreativität und Visionen.

 

Und wie geht Gaping? Denkbar einfach: Die Zwischenräume leben!

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“The Biographer” – feature film

“The Biographer” – feature film
Feature Film, in dessen Zentrum der Widerspruch zwische Image und Wirklichkeit im Leben von Prinzessin Diana steht. Regie Phillip Saville, mit Faye Dunaway, Paul Mc Gann, Hugh Bonneville. Produzent Christian Seidel - (Feature film about the contradiction between image and reality in the life of Princess Diana. Directed by Philip Saville, starring Paul Mc Gann, Hugh Bonneville and Faye Dunaway. Produced by Christian Seidel)