Geschrieben am 24. März 2012 um 11:55

Wochenende. Habe jetzt ausreichend lange ins Wasser geschaut. In das von dem Fluß, der dort draussen vorbeifließt. Mein Gewissen ist ruhig. Entspannung pur ist das, dieses Inswasserschauen. Fast als könne man sie trinken. Ein paar Stunden sind schon wieder vorbei.

Noch immer ist Zwangsentspannung angesagt. Ich richte hierzu gleich noch ein paar zusätzliche Empfehlungen an meine Antriebsorgane: Geh nicht schneller, als du wirklich gehst. Geh eher langsamer. Wenn du gerade gehst, drossele deinen Schritt. Sitzt du aber, relaxe im Rücken. Lass den Atem ganz langsam rausfahren aus dir. Nein! Nicht feste ausatmen, nicht so gestresst schon wieder. Langsam einatmen. Jaja, das Blackberry, das i-phone oder das Sonstwiepad liegt herum. Es vibriert sicher schon längst wie so ein quäckendes Baby, dem nie auch nur irgendwas recht ist. Dein Elektrotool ist mittlerweile in dich hineingewachsen. Irgendwann wird es mit dir verschmelzen. Dann heisst es nur noch „i“. Und du denkst, das bist du.

 

Du darfst, ganz kurz mal

 

Dann bist du bereits zum i-man geworden. Also weiter: Was stresst du dich noch? Daß es Montag gleich wieder weiter geht? Oder gibt’s ein paar nervige Aufgaben zu erledigen am Wochenende? Zuckts ein wenig im Arm, ja? Spürst du diesen leicht angespannten Druck in Brust und Gurgel, dann zwing dich nur weiter mit dieser Entspannung. Bis du dir die Gurgel ganz zugedrückt hast. Du merkst, dass du dich langsam nicht mehr zurückhalten kannst. Ein Bildschirm muss her. Irgendeiner. Oder ein Hintergrundgeräusch. Radiowerbung. Oder Musik. Vielleicht sind ja auch ein paar Facebook-„gefällt mirs“ angekommen? Aber langsam alles, langsam. O.k., ausnahmsweise, weil es erst Anfang Samstag ist: Einmal reinschauen darfst du. Fünf Minuten, dann ist Schluß.

 

Achtung: Easy wirken!

 

Und ganz wichtig: Beim Schlangestehen im Supermarkt nachher, wenn du für den wichtigen Abend heute einkaufst: Denke daran: Richtige Sachen anziehen, also die Relaxtheitsuniform, ganz klar. Hemd raushängen lassen wie die anderen. Aufstützen und Bein anwinkeln an der Kasse beim Warten. Ganz easy alles, ganz easy. Es ist ja Wochenende. Freundlich sein und mit herzlich gedrosselter Stimme den entspannten Weekendman markieren. Noch mal eben eine Verabredung treffen? Noch was reindrücken heute? Zum Fenster rausschauen wegen dem Wetter. Ein paar Gedanken verjagen, weil es ja vielleicht schlecht werden könnte, was sich da draussen am Himmel zusammenbraut. Weiter entspannen also.

 

Drüsentropfen

 

Mit dieser Dauerempfehlung beginnen Millionen diesen einen Tag. Es ist ja nur einer. Denn nur der Samstag ist das wirklich volle Wochenende. Am Sonntag steht schon wieder der Montag bevor. Die ersten Drüsentropfen platschen bereits früh morgens sorgenvoll in das immer unruhiger werdende Seelenwasser und lösen unruhige Gedanken aus.

Die tolle Superentspannung von heute wird schon morgen wieder verflogen sein. Eigentlich ist sie schon jetzt weg. Sie ist eine Illusion. Sie war nie da.

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“The Biographer” – feature film

“The Biographer” – feature film
Feature Film, in dessen Zentrum der Widerspruch zwische Image und Wirklichkeit im Leben von Prinzessin Diana steht. Regie Phillip Saville, mit Faye Dunaway, Paul Mc Gann, Hugh Bonneville. Produzent Christian Seidel - (Feature film about the contradiction between image and reality in the life of Princess Diana. Directed by Philip Saville, starring Paul Mc Gann, Hugh Bonneville and Faye Dunaway. Produced by Christian Seidel)