Geschrieben am 12. Januar 2012 um 23:05

Was wäre eigentlich, wenn es all das nicht gäbe? Skandale gibt es doch nur, weil sich Menschen darüber aufregen, daß sich andere Menschen nicht so verhalten, wie sie es sollten. Das fortwährende Geplappere darüber existiert nur deswegen, weil es Aufregorgane gibt, die fortwährend unser Defizit der Fähigkeit zur Eigenverantwortlichkeit betonen und mit Maßregelungen ersetzen. Sie ermahnen uns oft und loben uns fast nie. Sie verweisen uns auf moralische und gesetzliche Grenzen. Sie informieren uns ununterbrochen in einem beängstigenden Stakkato-Rhythmus über unsere Verfehlungen und Unvollkommenheiten. Es vergeht kein Tag, an dem nicht eine solche Geröll-Lawine durch unsere Türen hereinbricht. Endlose Newsbandwürme reüssieren über unsere unendlich vielen Mängel. Der Deutlichkeit halber am besten am Beispiel einzelner herausgegriffenener Personen.

 

Mittlerweile hat sie uns süchtig gemacht, diese tägliche Schottermasse. Und wenn wir zu wenig von ihr bekommen, wird sie künstlich erzeugt. So wie das bei Süchtigen halt so ist, dann greifen sie nach allem und jedem.

 

Was wäre, wenn wir wirklich frei wären von all dem? Frei von was? Na frei halt. „Frei“ meine ich, buchstabiert: „Friedrich Richard Emil und Ida.“ Von all diesem Geröll eben. Sind wir zu dieser Freiheit überhaupt in der Lage, sind wir reif genug? Könnten wir mit ihr umgehen? Mit diesem ersehnten, weiten Raum unendlicher Möglichkeiten? Oder würden wir das als Horrorszenario der Haltlosigkeit empfinden, in dem wir in Depression versinken, weil es an Lästermasse fehlt, die uns wichtige Beschäftigungen und Bedeutungen vorgaukelt?

 

Letztlich ist die Freiheit ja schlicht ein Wort. Friedrich Richard Emil Ida eben. Es ist einmal von Menschen erfunden worden, um etwas Bestimmtes auszudrücken. Die Abwesenheit von Gesetzen sicherlich nicht. Daß man tun und lassen kann, was man will, kann es auch nicht sein. Aber dennoch impliziert ‚Freiheit‘ doch dieses Bedürfnis nach dem Universum aller Möglichkeiten. Wie wenn man Durst hat und am Liebsten einfach alles in großen Schlücken ganz schnell trinken will. Tun kann, was man will, ja doch, daß man eventuell schon ein toller Freiheitshecht sein könnte, wenn man sich mal etwas traute. Wenn die anderen einen endlich ließen. Und wenn einer einmal einen Schluck davon trinkt, vielleicht sich dabei sogar verschluckt, weil er noch nicht weiß, wie das geht, was dann? Warum decken wir unser Bewusstsein für das, was wir sind, nämlich fehlerbegehende Menschen, warum decken wir das mit diesem Gezetere zu, anstatt…, ja, anstatt was?

 

Manchmal und zur Zeit ganz besonders erscheinen mir Friedrich Richard Emil und Ida als sehr befremdliche Gesellen.

 

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“The Biographer” – feature film

“The Biographer” – feature film
Feature Film, in dessen Zentrum der Widerspruch zwische Image und Wirklichkeit im Leben von Prinzessin Diana steht. Regie Phillip Saville, mit Faye Dunaway, Paul Mc Gann, Hugh Bonneville. Produzent Christian Seidel - (Feature film about the contradiction between image and reality in the life of Princess Diana. Directed by Philip Saville, starring Paul Mc Gann, Hugh Bonneville and Faye Dunaway. Produced by Christian Seidel)