Geschrieben am 23. Oktober 2011 um 15:03

Zum Tode von Yue Yue

Die zweijährige Yue Yue ist jüngst an ihren schweren Verletzungen gestorben. Sie war in der chinesischen Provinz Guangdong auf offener Straße von einem Lieferwagen von dessen Vorderreifen überrollt worden.  Der Wagen stoppte und entschloß sich sodann zur Weiterfahrt, wobei er das Opfer nochmals mit den Hinterreifen überrolte. Das Mädchen blieb auf der Straße liegen. Passanten und Fahrradfahrer fuhren daran vorbei und hielten nicht an, obwohl sie sichtlich bemerkten, was hier geschehen war. Darauf kam ein zweiter Wagen, der die Zweijährige nochmals überfuhr. Wieder liefen und fuhren die Passanten vorbei. Erst eine Müllarbeiterin versuchte das Mädchen zu retten.

Mir ist es auf eine absolut unerträhliche Weise völlig unverständlich, warum in einem so fortgeschrittenen Prozeß der Globalisierung all  Soetwas geduldet wird. Ich spreche hier von der Entwicklung zu einer völlig morallosen Gesellschaft, in welcher jeglicher Antrieb nur noch von Profitgier und Machtzuwachs bestimmt wird und in welcher keine Werte mehr gelebt werden und schlichtweg nicht mehr existieren, weil in den Menschen kein tieferes Bewusstsein dafür mehr besteht. Die Rede ist hier von unseren ständig mit den ihnen gerade in die Rede passende Werten schwadronierenden Politikern und Meinungsfürsten. Man könnte jetzt weitere Beispiele aufführen: Die Selbstverbrennungen von Mönchen in Tibet, die Misshandlungen derselben durch die Chinesen, die geduldete Folterei vermeintlicher islamistischer Gefangener, und so weiter und so fort.

 

Unsere Gesellschaft hier ist an all dem mit Schuld und zwar aktiv mit Schuld, indem wir unseren Firmen zugestehen dort billiger produzieren zu lassen. Indem man wissend akzeptiert, daß diejenigen dort die Produktionsstätten beispielsweise nach Nordkorea in Zwangsarbeiterfabriken deligieren,nur damit wir all diesen Schrott noch billger einkaufen können. Indem wir unserer Politik es nicht übelnehmen, wenn sie Länder wie China (Libyen etc.) hofiert. Indem wir Produkte kaufen, die nur wegen der martialischen Zwangsbedingungen für die Arbeiter in der Herstellung erst so preisgünstig werden können (iPhone, div. andere elektronische Preishits), wie z.B bei der Firma Foxconn. Obwohl klar ist, daß eine solche entmoralisierende Profitgier, über die wir aus der Ferne so gelassen unseren Kopf schütteln, erst durch diese Form unserer Mittäterschaft entstehen kann. Ich würde Länder, in welchen solches geschieht und auch diejenigen, die sich ‘Hochkultur’ nennen, aber mit zugekniffenen Augen dort ihre Güter herstellen lassen, ‘Gesellschaften der Unmenschlichkeit’ nennen.

 

Ich weiß nicht, was man selber eigentlich machen kann. Ich bin an diesem Punkt desillusioniert. Nichts. Höchstens: Bei sich selbst nach den Werten suchen, die draussen verloren gegangen sind. Bei sich selbst anfangen, und im kleinen Kreis das kleine Pflänzchen jenes Moralgefühls für unser Zusammenleben zu kultivieren, das leider vom Aussterben bedoht ist.

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“The Biographer” – feature film

“The Biographer” – feature film
Feature Film, in dessen Zentrum der Widerspruch zwische Image und Wirklichkeit im Leben von Prinzessin Diana steht. Regie Phillip Saville, mit Faye Dunaway, Paul Mc Gann, Hugh Bonneville. Produzent Christian Seidel - (Feature film about the contradiction between image and reality in the life of Princess Diana. Directed by Philip Saville, starring Paul Mc Gann, Hugh Bonneville and Faye Dunaway. Produced by Christian Seidel)