Geschrieben am 23. Juli 2011 um 17:00

Manchmal glaube ich, wir haben alle einen Sprung in der Speicherplatte unserer Birne. Die Ereignisse wiederholen sich so ätzend stoisch. Und diejenigen, die sich mit der Lösung der Probleme beschäftigen, tun das so, als wäre es zum ersten Mal. Seit dem Börsencrash 2001 befinden wir uns zum dritten Mal in einer Mega-Wirtschaftskrise.  Sie wird von den Ratingagenturen und Politikern an- und abgesagt, fast nach Belieben und Gutdünken, so erscheint es. Als ich heute über den Stachus lief, unterhielt ich mich mit demonstrierenden Chinesen, die auf die Foltermethoden ihres Regimes aufmerksam machen wollten: Menschen würden wie Vieh in Gefängnisgulags gehalten werden, als lebendige Organspenden-Depots für die Reichen. Folter, bestialische Verstümmelungen von Regimegegnern. Die Massaker vom Tienanmen – Platz werden von den Chinesen nach wie vor wie eine außerirdische Erscheinung kommentiert und von der Weltpolitik als Gesprächsthema gemieden: Haben viele ja selbst den gleichen Dreck am Stecken. Ich will ja nicht schon wieder mit dem “nicht schließbaren” Guantanamo und den CIA-Gefängnissen anfangen, die ständig in Minimeldungen durch die Zeitungen geistern (heute gerade wieder). Das alles hat ja mittlerweile fast etwas “salonfähiges”, so wenig, wie irgendwer noch ein Aufhebens darüber macht. Außerdem ist ja in Afrika wieder das Hungern ausgebrochen. Unser Blick zuckt also plötzlich wieder woandershin. Die nötige Milliarde für die Rettung der Menschen kann – wenn man den Medienberichten folgt – nicht schnell genug aufgebracht werden. Die wirtschaftlichen Verbindungen und das Aufrechterhalten unseres Megawohlstandes sind freilich wichtiger. Für Griechenland stehen daher die hundert Milliarden pronto zur Verfügung. Afrika ist halt nicht so wichtig wie die Stabilität des Euro. Würde eine durch Griechenland ausgelöste Megakrise wirklich derartig verheerende Auswirkungen haben, daß man das in Relation verstehen könnte…? Ich meine das Verhältnis zwischen den leidenden Menschen in Afrika und den krisenbedrohten Menschen in Europa und USA? Und das Verhältnis zwischen einer notwendigen Milliarde für Afrika und den hunderten Milliarden, die nach Griechenland fließen, wenn die Politiker mit den Fingern schnippen? Das bezweifle ich sehr. So eiere ich weiter mit in unserem Weltkarussel mit diesem kollektiven Sprung in der Platte. In dieser Welt, in der sich alles ständig wiederholt und Probleme nicht wirklich gelöst werden. In der so berichtet wird, als geschähe es zum ersten Mal.  Ach übrigens: Hat schon mal jemand davon gehört, wie die Chinesen es angeblich schaffen, so unglaublich billig herzustellen und trotzdem Profit zu machen? Ich habe gehört, sie lagern ihre Produktionen immer mehr nach Nordkorea aus. Ich weiß nicht, ob das stimmt. Aber ziemlich sicher ist, daß dort ja noch menschenrechtliche Steinzeit herrscht und die Menschen gar nicht für ihre Leistungen bezahlt werden: Arbeitslager wie im dritten Reich gäbe es dort, habe ich gehört. Sie hätten wegen dem Chinabusiness Hochkonjunktur. Ich weiß, daß ich nicht weiß, ob das stimmt. Aber ich weiß auch, daß sich ja all diese Dinge wegen diesem Sprung in der Platte immer wieder zu wiederholen scheinen.  Komisch: Den Produkten auf unseren Ladentischen sieht man das nicht an.

 

 

 

 

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“The Biographer” – feature film

“The Biographer” – feature film
Feature Film, in dessen Zentrum der Widerspruch zwische Image und Wirklichkeit im Leben von Prinzessin Diana steht. Regie Phillip Saville, mit Faye Dunaway, Paul Mc Gann, Hugh Bonneville. Produzent Christian Seidel - (Feature film about the contradiction between image and reality in the life of Princess Diana. Directed by Philip Saville, starring Paul Mc Gann, Hugh Bonneville and Faye Dunaway. Produced by Christian Seidel)