Geschrieben am 5. Mai 2011 um 21:10

Zum Tode Osama Bin Ladens 2

 

Kann Töten ein Erfolg sein? Kann es der Tod? Gibt es eine einzige Situation, die dem Tod oder dem Töten, egal aus welchem Grund, einen solchen Stellenwert einräumen darf? Immer, wenn der Tod und der Erfolg Hand in Hand gegangen sind, haben Tausende und Millionen Menschen ihr Leben gelassen. Den größten Exzess dieser Art haben die Deutschen fertig gebracht, indem sie im Dritten Reich die Massentötung von Menschen zur Kernmaxime des Erfolges gemacht haben. Alle Gesellschaften, die sich der teuflischen Verführung hingegeben haben, Tod und Erfolg in einen Zusammenhang zu setzen, haben ihre Werte verloren. Das Leben wurde zum Leiden. Ist unsere heutige Zeit eine, in welcher sich dieser Trend wiederholt oder auf neue Weise anbahnt? Ich habe in den letzten Tagen mit Betroffenheit erlebt, dass kontrovers über dieses Thema diskutiert wird. Dass nicht eindeutig klar ist, dass der Tod kein Maßstab des Erfolges sein kann. Mit Verständnislosigkeit habe ich verfolgt, dass es offensichtlich viele Menschen gibt, die es Ordnung finden, sich unter bestimmten Umständen über den Tod eines Menschen zu freuen. Als ich gehört habe, Bin Laden ist tot, habe ich mich erleichtert gefühlt. Ich war über mein Gefühl schockiert: Der Mensch hat die Möglichkeit, sich Dinge bewusst zu machen. Darin unterscheiden wir uns von instinktgetriebenen Tieren. Ein weiteres Merkmal von uns ist unsere Fähigkeit zur Empathie. Und zum Gegenteil von der Empathie: Zum blinden Hass und zur Rache, zum Ausschalten jeglicher Gefühle gegenüber jemandem, der Unzähligen unermessliches Leid zugefügt hat. Es ist nicht verboten, Osama Bin Laden zu hassen. Kein Gefühl muß zurückgehalten werden. Ich gehe sogar so weit, dass man sich über seinen Tod freuen darf, wenn man in der Lage ist, wenngleich ich das bereits etwas grenzwertig finde. Was ich aber für ungeheuerlich halte, ist, seine plötzliche Erschießung mit dem Wort ‚Erfolg‘ und ‚Sieg‘ in Verbindung zu bringen. Der Kampf gegen Bin Laden und den Terror ist kein Fußballmatch, in dem es jetzt 1:1 oder 1:2 heißt. Er ist noch längst nicht ausgefochten. Es steht zu bezweifeln, ob Gewalt überhaupt dazu in der Lage ist, denn die Keimzelle dieses Terrors sind die ewig schwelenden Konflikte in Nahost, die Ungerechtigkeit und Armut in der arabischen Welt, der weltweite Umgang mit dem Islam und der immer wieder aufflammende Amerikahass, für den die Vereinigten Staaten auch gerne immer wieder sorgen. Wir sind der Intelligenz und des Bewusstseins fähig. Was sollen diese Erfolgsdebatten also? Es gibt eine weitere Eigenschaft, zu denen wir Menschen als Einzige Lebewesen fähig sind: Die Liebe. Sie ist grenzenlos und bedingungslos. Wir müssen nicht Bin Laden lieben. Aber wir müssen uns lieben. Können wir das, wenn wir den Tod als einen der Maßstäbe des Erfolges gelten lassen? Der Tod darf kein Maßstab des Erfolges sein. Er ist der Maßstab des Mißerfolgs.

Kommentare

comments

 

“The Biographer” – feature film

“The Biographer” – feature film
Feature Film, in dessen Zentrum der Widerspruch zwische Image und Wirklichkeit im Leben von Prinzessin Diana steht. Regie Phillip Saville, mit Faye Dunaway, Paul Mc Gann, Hugh Bonneville. Produzent Christian Seidel - (Feature film about the contradiction between image and reality in the life of Princess Diana. Directed by Philip Saville, starring Paul Mc Gann, Hugh Bonneville and Faye Dunaway. Produced by Christian Seidel)