Geschrieben am 23. April 2011 um 13:19

Keine Ahnung, was die Leute gegen Regen haben. Ich finde das diskriminierend. Im Regen spazieren zu gehen, ist doch romantisch. Mit meinen verflossenen Freundinnen hatte ich mich unter Regenschirme gekuschelt. Gemeinsamde Regenspaziergänge waren Erfahrungen von einer glücksdrüsenaktivierenden und hormonbelebenden Dimension. Ich empfinde Regenspaziergänge eigentlich ziemlich schön. Sie liefern einen wunderbar harmlosen Grund, sich beim anderen unterzuhaken. Die Wassertropfen prasseln auf den Schirm. Sie tropfen auf die Hand, die Nase und ins Haar. Oder hinten den Nacken hinunter. Diese kleinen Tropfen übertönen so viel. Den Motorenlärm der Autos, die auf einmal nur noch spritzende und zischende Geräusche verbreiten. Die Regentropfen verlangsamen alles. Alles wird ruhiger. Pfützen entstehen, in die ich platschen kann – oder auch nicht. Ich platsche gerne, immer noch. Und wenn die Sonne scheint, gibt es diese Pfützen nicht. Ein ziemliches Manko unserer Sonne, wie ich finde. Ja, ich stehe dazu, ich mag Pfützen. Sie verlangsamen meinen Gang. Ich kann um sie herum wandern und plötzlich Slalom spielen auf einem Weg, ohne daß mich andere für irre halten. Irgendein Tier schwimmt auf einmal drin herum. Wo ist es sonst? Ich sehe neue Dinge.  Wie diesen Tropfen, der das Laubblatt herunter läuft, und dieses Blatt sich immer genau in die Richtung biegt, in die der Tropfen läuft. Dann hängt er da, wird immer länger. Und nach langem hin- und her reißt er sich fast gewaltsam los von dem Blatt und fliegt nach unten. Es gibt auch diesen Tropfen auf meiner Nase, der mich kitzelt. Den mag ich ganz besonders. Er ist weich und angenehm kühl. Einmal hat ihn mir eine Liebe von der Nase geküßt. Beim nächsten Regen hat der Trick leider nicht mehr geklappt: Es war eine andere Frau. Die Tropfen lassen nicht mit sich spaßen. Die vielen Tropfen, die ich nicht sehe, sondern nur höre, oder die es einfach gibt, ohne daß ich sie wahrnehme, sie sind überall. Ich kann das Geheimnis der Regentropfen nur kennenlernen, wenn ich sie tropfen lasse. Dazu muß es regnen und ich muß draussen sein, um Pfützen wandern und durch Büsche streifen. Es geht nicht, etwas gegen den Regen zu haben, nein, das geht nicht.Das Geheimnis der Regentropfen

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“The Biographer” – feature film

“The Biographer” – feature film
Feature Film, in dessen Zentrum der Widerspruch zwische Image und Wirklichkeit im Leben von Prinzessin Diana steht. Regie Phillip Saville, mit Faye Dunaway, Paul Mc Gann, Hugh Bonneville. Produzent Christian Seidel - (Feature film about the contradiction between image and reality in the life of Princess Diana. Directed by Philip Saville, starring Paul Mc Gann, Hugh Bonneville and Faye Dunaway. Produced by Christian Seidel)